mit frdl. Genehmigung von Peter Matzke



 





Zur eigenen Spiritualität finden

Ein (konstruiertes) Streit-Gespräch über Gott und die Welt


zwischen
Bruno Kramm
(Das Ich - hier in der Rolle des Guten)
und
Peter Matzke
(Herausgeber - hier als advocatus diaboli)


pm:

Ich hatte kürzlich das Vergnügen, eine Besprechung (zu altneudeutsch "Rezension", neuneudeutsch "Review") zu Eurem aktuellen Album "anti´christ" schreiben zu dürfen. Nach allerlei Auslassungen zu Eurer Musik, die, der Qualität des Werks angemessen, durchaus euphorisch ausfielen, schloss ich in Bezug auf Eure Texte: `Sie sind erneut Dokumente einer stetigen, oft verzweifelten (Gott-?) Suche zwischen Liebe und Zorn, Überschwang und Überdruss, verächtlicher Ironie und bitterbösem Zynismus. Der Evangelist Matthäus trifft mit seines Herren uralter Frage "Eli, Eli, lama asabtani?" ("Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Mt 27,46) ausgerechnet auf den sächsischen Professor Friedrich Nietzsche: "Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet!" Nein, Ihr Lieben, nach diesem Album wird´s wohl wieder nichts werden mit der Einladung zum Tanztee beim Ortspfarrer von Cottenau...´


bk (grinst):

Cottenau hat gar keinen eigenen Priester - deshalb ist das wahrscheinlich auch so ein ausschweifender Ort. Wenn der Wirsberger Pfarrer kommt, der sich bei uns noch nie angemeldet hat und uns natürlich auch noch nie in seine Kirche eingeladen hat, würde ich bestimmt eine längere Diskussion mit ihm führen. Denn ich weiß ja, was wir da singen und habe dazu auch etwas zu sagen. Provokation ausschließlich um der Provokation willen ist einfach nicht meine Art...
Das Witzige ist, dass dieser anti´christ von allen immer nur auf die christliche Lehre bezogen wird. Wir haben das Ganze auch unter einem gesamtgesellschaftlichen Gesichtspunkt gesehen.


pm:

Trotzdem zieht sich natürlich seit Eurem ersten Album mit dem legendären ´Gottes Tot´ die äußerst kritische Beschäftigung mit der christlichen Religion und ihrer Institution Kirche wie ein roter Faden durch Euer Oevre. Also sei an dieser Stelle rundheraus Goethes Gretchen mit ihrer berühmten Frage zitiert: ´Nun sag, wie hast du´s mit der Religion?´


bk:

Aufgewachsen bin ich als reiner Atheist. Meine Eltern lehnten konsequent alles ab, was mit Kirche zu tun hatte. Ich bin nicht getauft, nicht konfirmiert. Zu meinen schönsten Schulerlebnissen gehört, dass ich immer stolz heimgehen durfte, wenn die anderen zum Religionsunterricht mussten.
Mein Elternhaus war, geprägt durch meinen Vater, sehr von naturwissenschaftlichen Idealen geprägt. Der metaphysische Ausgleich war die Musik. Zweifellos hatte ich ein gewisses Defizit im spirituellen Bereich. Ich fühlte das ganz stark, als mein Vater starb. Da war ich gerade 16. Als Jugendlicher verkraftest du so einen Verlust ja ohnehin ganz schwer. Und mein Vater war für mich einfach eine Instanz. Gar nicht so sehr im Sinne von Autorität, sondern mehr in Hinsicht auf Lernen, Verstehen, Begreifen.
In dieser Zeit verspürte ich ein ganz starkes Hingezogensein zur Religion. Ich konnte das nicht so artikulieren wie ein ´gelernter Christ´, der ja genau weiß, wie, wo und in welcher Form er im Falle von Seelennöten vorzusprechen hat. Ich dachte: `Ich probier´s einfach mal.` Glauben ist ja schließlich keine Sache, die Wissen voraussetzt.
Ich habe mich da wirklich ´reingesteigert und versucht, ein Gebet zu finden. Das ging etliche Monate, ohne dass sich allerdings irgendetwas an meinem Zustand geändert hätte. Bis ich irgendwann begriff, dass das so nicht funktioniert.
Trotzdem: Ich habe aus dieser Erfahrung das grundlegende Bewusstsein gewonnen, dass du Religion und Glauben zwar für dich persönlich ablehnen kannst, aber nicht im gesellschaftlichen Kontext. Weil wir in dieser Gesellschaft nun mal mit Werten groß geworden sind, die auf christlichen Wertmaßstäben fußen. Kein noch so streng überzeugter Atheist wird den ethischen Wert der 10 Gebote anzweifeln.
So sehr ich mich rational wehre gegen das, was geschichtlich in, um und durch das Christentum geschehen ist, so sehr fühle ich mein spirituelles Defizit. Viele Leute kompensieren das durch eine Annäherung an fernöstliche Religionssysteme. Die liegen mir aber noch weniger als das Christentum. Ich bin nun mal in diesem Kulturkreis groß geworden.


pm:

Ich kann eine gewisse Affinität zu asiatischen Religionen nicht verhehlen. Das Christentum ist wie alle anderen Religionen das Produkt der immerwährenden Auseinandersetzung des Menschen mit der Endlichkeit seiner Existenz, die er als einziges Lebewesen zu erkennen verdammt ist. Es bietet dafür die Lösung einer unsterblichen, ewigen Seele an, die nach dem irdischen Jammertale die Wonnen des Paradieses genießt. An dieser Stelle muss doch mit Schopenhauer gefragt werden, wo denn all die ewigen Seelen vor der Geburt jener körperlichen Hülle waren (sind), in die sie dann ein lächerlich kurzes Menschenleben lang schlüpften bzw. noch schlüpfen müssen.
Diese Frage findet im Christentum (außer vielleicht in hochspezifischen theologischen Seminaren) eigenartigerweise nicht statt. Da erscheint mir eine Lehre wie etwa die des Buddhismus, die ohne allmächtigen Gott - Buddha war ein (un)gewöhnlicher Sterblicher - auskommt, viel logischer. Dort gibt es die Lehre der Reinkarnation mit dem Ziel der Selbstvervollkommnung bis zum höchsten spirituellen Glück, dem Verlöschen im Nirvana. Das hat für meine Begriffe einfach weniger logische Lücken und es liefert den Boden für eine aktive Ethik. Es ist die Pflicht des buddhistischen Menschen, an sich zu arbeiten, er ist (in dem Rahmen, in den er hineingeboren wurde) für sein Handeln selbst verantwortlich.
Der Glaube an einen alles wissenden und alles wirkenden Gott muss dagegen - konsequent gelebt - in der Tendenz immer zu Fatalismus in der Individualethik führen. Alles, was passiert, und alles, was nicht passiert, ist für den Christen nun mal Resultat eines höheren Willens. Es kann nichts gegen diesen Willen passieren. Auch jeder Verbrecher, vom Ladendieb bis zum Lagerkommandant, ist ein Werkzeug SEINES unergründlichen Willens...


bk:

Diese fernöstlichen Systeme, die für uns natürlich sehr viel anheimelnde Magie enthalten, weil wir die kulturellen Prämissen nicht kennen, beinhalten in sich ebenso viele Widersprüche. Wir sind nur gar zu gern bereit, dem Charisma dieser Religionen zu erliegen, weil sie für uns irgendwie unerklärlich und mit einem reizvoll-geheimnisvollen mystischen Schleier umgeben sind. Das Christentum dagegen kennen wir, wir sind damit groß geworden wir entdecken im täglichen Leben überall die entsprechenden Bezüge.
Eine Freundin von mir, die Sinologin ist, in China lebt und sich intensiv mit der dortigen Spiritualität beschäftigt, würde Dir jetzt einen längeren Vortrag halten mit der Quintessenz: ´Wärst Du in dem asiatischen System unter den dortigen Prämissen aufgewachsen, so würdest Du die tiefer liegenden Mechanismen dieser Glaubenssysteme verstehen - und Dich würde dann wahrscheinlich sehr stören, dass von Dir immer nur Demut und das Fügen ins Unvermeidliche gefordert wird!´
Du bist in einer Transformation begriffen, du bist ein winziges Rädchen im Getriebe, an dir ist es zu dulden und zu ertragen. Das Glück erwächst nicht aus einer bewussten Gestaltung deines Lebens heraus, sondern durch passive Demut. So etwas wurde dann natürlich genauso wie im Christentum politisch instrumentalisiert. Auch im Fernen Osten wurde die Armut der Menschen als erstrebenswert propagiert - von Leuten, die selbst dabei reich wurden.
Die eigentliche Frage ist doch: Sollst du dich einem kollektiven Glaubenssystem anschließen oder kannst du dein eigenes entdecken?
Der Prototyp eines wirklichen Christen ist für mich Eric von Saviour Machine. Der vertont quasi die Bibel und ist tatsächlich ein echter heilsgläubiger Christ. Er ist davon über zeugt, dass Gott ihn von seiner Drogensucht gerettet hat. Was mich an ihm begeistert hat, ist seine grenzenlose Güte, sein Verständnis allem gegenüber, sein fehlender Missionarsdrang und diese tatsächlich beneidenswerte Gabe, bestimmte Widersprüche in der Welt und in der Lehre einfach nicht wahrzunehmen.


pm:

Halt!, ruft da der Ketzer in mir: Wer oder was hat Eric denn eigentlich süchtig werden lassen? Ihn und auch die anderen, die dabei draufgehen? Ganz ehrlich, mir sind diese Christen unheimlich, die aus einem brennenden Haus voller Leichen herauskommen und IHM tränenreich für ihre Rettung danken. Wenn ich glaube, dass es SEIN Wille war, mich zu retten, dann muss ich auch glauben, dass es derselbe Wille war, der die anderen verbrennen ließ. Ich darf IHM für mein Leben danken, aber wegen des Todes der anderen nicht mit IHM hadern - in diesem Fall tritt sofort der Paragraph "Die Wege des HERRN sind unergründlich" in Kraft. Wenn dem so ist - wofür bin ich IHM dann überhaupt Dank schuldig?


bk:

Es geht hier nicht um Logik. Verrückt dabei ist jedoch, dass Eric seine eigene Kraft, die er aufgewandt hat, um sich aus einer Misere herauszuziehen, an den Herrn abgibt. Andererseits ist das auch ein begrüßenswerter, weil anti-egoistischer Impuls. Das kann diese Gesellschaft ganz gut gebrauchen.
Für Eric ist sein Glaube der fixe Punkt im Leben. Sein Glauben ist einfach tief und rein, er lässt ihn in einer Art vollkommener Glückseligkeit zu schweben. Das ist wirklich einer der Aspekte, die die Faszination des Christentums ausgemacht haben und es so groß werden ließen. Die Ursache seines heutigen Einflusses liegt nicht in der gewaltsamen Christianisierung des Mittelalters. Wir müssen weiter zurückgehen. In die Zeit vor der Institutionalisierung, in das Urchristentum.
Das bestach mit einer ganz neuen Art und Weise, mit den Gefahren und Widrigkeiten des Lebens fertig zu werden: Es war diese stete Glückseligkeit, diese Weigerung zu hinterfragen, das willige Hinnehmen seines Schicksals. Der feste Wille, dieses Schicksal als göttliche Prüfung aufzufassen, als Chance, sich für das ewige Leben zu qualifizieren. Das hat die Römer dann richtig wütend gemacht, das passte nicht in ihr Weltbild. Da kam dann das S/M-Potenzial der ganzen römischen Gesellschaft zum Tragen....


pm:

Ich denke, die Römer hatten vor allem eine Heidenangst (oh, wie passend...!) vor dem Pazifismus, der im Urchristentum steckte. Bewusst oder unbewusst war ihnen klar, dass diese für sie eigentlich unbegreifliche Lehre aus der judäischen Provinz das Reich zusammenbrechen lassen würde, falls sie sich ausbreitete. Das römische Reich mit pazifistischen Römern ist nun mal nicht denkbar. Man hätte die Römer allerdings beruhigen können. Mit dem Pazifismus der Christen war es rasch vorbei. Schon die Etablierung der Kirche als Institution kostete mehr Häretiker in den eigenen Reihen das Leben als Heiden außerhalb. Und 1000 Jahre nach den christlichen Anfängen, auf dem heiligen Kreuzzug gegen die Katharer, sprach der Erzabt der Zisterzienser vor den Toren von Beziers auf die Frage eines Kreuzeskriegers, wie man denn nach der Erstürmung der Stadt die Rechtgläubigen von den Ketzern unterscheiden solle, die berühmten frommen Worte: `Caedite eos, novit enim Dominus qui sunt eius! - Tötet sie alle, der Herr wird die Seinen schon erkennen!´


bk:

Ich spüre tatsächlich eine gewisse Wut in mir angesichts der Tatsache, welche Heilsbotschaften die christliche Kirche verkündet und wie wenig sie sie auf der anderen Seite lebt. Immerhin hatte sie Jahrhunderte lang Zeit, in den Kulturkreis, den sie ja letztlich beherrschte, diese Heilsbotschaften einzupflanzen. Wir haben heute ein Gesellschaftssystem, in dem Egoismus und nackter, kalter Kapitalismus die entscheidende Rolle spielen. Ein System, das Millionen Menschen von den Möglichkeiten abkoppelt, sich individuell zu entfalten, das Menschen in gnadenlose Hierarchien zwingt und zu Götzendienern von Begriffen wie ´Erfolg´ macht. Wenn ich dann eine Kirche sehe, die es 2000 Jahre lang nicht geschafft hat, die Ideale der Bergpredigt zu Allgemeingut und Gesellschaftsdoktrin werden zu lassen, es jedoch stattdessen sehr wohl vermochte, unermesslichen Reichtum anzuhäufen, dann kann man schon wütend werden.
Aber: Das Christentum an sich ist nichts Böses, es ist der erste historische Versuch von so etwas wie Humanismus. Das Ganze ist in Form der christlichen Kirche kläglich gescheitert.


pm:

Mir scheint, das Wort ´Humanismus´ ist in der historischen Tradition des Aufbegehrens g e g e n die kirchlichen Dogmen mit der beginnenden Renaissance (die als Wiederbelebung antiker, vorchristlicher Werte gedacht wurde) entstanden.


bk:

Ich meine jetzt gar nicht den Humanismus etwa einer französischen Revolution, der ja letztlich nicht so humanistisch war. Lass uns bei dem Begriff Ethik bleiben.
Das Christentum ist immerhin auch ein Mittel, eher einfachen Menschen ein System von ethischen Wertmaßstäben zu vermitteln. Wenn ein Mensch das Christentum für sich annimmt, quasi individualisiert, dann hat er konkret etwas davon, und dann haben auch andere was davon.


pm:

Wenn Du die christlichen Ethik so sehr beschwörst, so sei vorsichtig vermutet , dass Du damit die 10 Gebote des Anführers Moses und die späteren frohen Botschaften, in erster Linie die sogenannte Bergpredigt, des dünnen Hippies von Nazareth meinst. Das alles macht in meiner Heimbibel einen Bruchteil aus. Den größten Raum haben die blutigen Macht-Kampf-Geschichten des alten Testaments. Diese Schrift ist den Muslimen und Juden ebenso heilig, sie enthält ungefähr so viel Humanismus wie "Der Gallische Krieg" von Julius Cäsar. Ohnehin: Nachdem dann das Christentum Staatskirche geworden war, war darin zunehmend weniger Christus, dafür um so mehr Kreuz & Blut zu finden.


bk:

Um so deutlicher muss die Institution von der echten Spiritualität getrennt werden! Es geht gar nicht darum, dass ich christlichen Wertmaßstäbe in unserer Gesellschaft etablieren will. Zumal nicht zu Glaubensausübung in Groß-Kollektiven - das ist etwas, was ich ablehne. Es geht darum, dass Menschen die Möglichkeit gegeben werfen soll, zu eigenen Spiritualität zu finden. Leider ist die Suche danach in unserer Leistungsgesellschaft, die auch die Gesellschaft des christlichen Abendlandes ist, eher verpönt.
Aber gerade für Menschen, die sonst keinen Ansatz finden, von allein zu ihrer spirituellen Erfahrung zu gelangen, bietet das Christentum einen Anker. Für das persönliche Heil, für das innere Gleichgewicht eines Menschen ist so etwas nun mal wichtig! Gäbe es Gott nicht, so müsste man ihn erfinden, hat Voltaire mal gesagt.
Der einfache Mann (die Frau auch) braucht eine Sinngebung, einen Hoffnungsträger, etwas zum Aufschauen. Es geht einfach um die Suche nach Liebe in dieser Gesellschaft, die Suche nach dem Rückhalt, nach der Wärme der Kindlichkeit. Nach der einfachen, aber eben auch eindeutigen Sichten auf die Dinge, wie Kinder sie haben. Diese Suche nach diesen Dingen wir von vielen in Religiosität hineinprojiziert. Daran ist nichts Schlimmes.
Letztlich ist es egal, welches Religionssystem du wählst. Der entscheidende Ansatz ist, dass der Einzelne seine Spiritualität in sich selbst findet und in seinem individuellen Denk- und Gefühlssystem integrieren kann.


pm:

Richtig. Aber nur zum Teil, denn gesucht wird in den Religionen in erster Linie nach einem universellen Prinzip, das über allem steht, alles erklärt und den universellen Ausweg - eben vor allem aus dem Problem der eigenen Sterblichkeit - bietet. Solche Antworten lassen sich in der Regel nicht aus einer individuellen Privatreligion gewinnen. Da braucht es schon des Großen Schöpfers. Wir haben dazu den Christengott.
Jenen Allmächtigen, der, sich zu offenbaren, ausgerechnet den eigenen Sohn auf grausamst erdenkliche Weise verrecken ließ. ER hätte Mauern einstürzen lassen oder Berge versetzen können, ER hätte lieblichste Engelchöre oder donnernde Posaunen erschallen lassen können, um die ungläubige Menschheit auf SEINE Existenz aufmerksam machen. Und: ER hätte es auf der ganzen Welt gleichzeitig tun können. Statt dessen opfert ER seinen Sohn, dessen Wirkung auf einen bestimmten Landstrich begrenzt wird. In Anbetracht der damaligen kommunikativen Situation der Gattung separierte ER damit auf absehbar lange Zeit die von IHM geschaffenen Menschen in einen kleineren Teil, der zumindest mittelbar der Gnade teilhaftig wurde, von der Offenbarung zu erfahren, und jenen größeren Teil, dem diese Chance vorenthalten wurde. Resultat waren jahrhundertlange Bekehrungen mit Feuer & Schwert & Millionen von Opfern. Was ER natürlich wusste. Aber aus irgendeinem Grunde genau so und nicht anders wollte.
Kann man so etwas anbeten oder gar lieben? Ich weiß, dass Glauben vieles vereinfacht. Jeder sucht den festen Punkt im Universum, an dem er sein kleines Leben und die Furcht vor dessen unausweichlichem Ende aufhängen kann. Was dem Leben als Teil eines großen Ganzen so etwas wie Sinn verleiht und nebenbei eine Hilfe zur Selbstdisziplinierung ist.
Glauben kann eine bequeme Sache sein: Um die Weihnachtszeit herum nutzen viele Eltern den Glauben ihrer Kleinen an den Weihnachtsmann. Der gute Alte, der alles sieht und dem man alles erzählen muss. Für die Unartigen hat er eine mächtige Rute bei sich, wodurch das Verhältnis nicht ganz angstfrei ist. Für die Artigen aber hat er die Erfüllung aller konsumtiven Träume in seinem Sack. Die Freude darauf überstrahlt alles.
Ein Hinweis auf den Weihnachtsmann genügt meist zur Herstellung von Ruhe und Ordnung in Kinderzimmern. Es ist nichts Schlimmes dabei, der Weihnachtsmannglaube geht irgendwann, meist ohne Traumata zu hinterlassen.
Für die Großen gibt's komplexere Systeme. Auch sie schaffen für jenen, der sich in sie einzubetten vermag, eine übersichtliche Systematisierung der Welt. Gut und Böse sind klar geschieden, der Lohn für den Folgsamen ist ebenso gewiss wie die Strafe für die Missratenen.
Man kann mit diesem System gut durch´s Leben kommen - wenn man es schafft, über die allerorten auftauchenden logischen Ungereimtheiten hinwegzusehen...
Ein Beispiel: Es ist einleuchtend, dass es dem Einzelnen sehr hilfreich sein kann, mit seinem Gott in ein Zwiegespräch zu treten. IHM seine Sorgen und Nöte zu schildern, IHM zu danken oder um Hilfe zu bitten. Die Christen nennen das Gebet und es ist ihnen wichtig. Andererseits, der Logik der Lehre erfolgend: Wenn ich IHM meine Probleme schildere, unterstelle ich doch eigentlich, ER könne sie vielleicht nicht bemerkt haben. Eine Leugnung der Allgegenwart des HERRN! Klare Blasphemie. Jeder Christ müsste wissen: Beten ist sinnlos, ER weiß das alles ja sowieso. Und ER wird, dem eigenen, für uns unergründlichen Ratschlusse folgend, tun, was ER in diesem Falle für richtig hält. Selbst daran erkühnen sich meisten Christen zu zweifeln, denn durch das Einschließen diverser Bitten in ihre Gebete glauben sie offenkundig, IHN bei der Entscheidungsfindung in ihrem Sinne beeinflussen zu können. Sie behandeln ihren Gott wie den Gemüsehändler an der Ecke, wo man um Rabatte feilschen und Bonuspunkte abgreifen kann...
Ebenso wenig wie ich - wie Woody Allen - einem Verein beitreten würde, der Leute wie mich als Mitglied aufnimmt, vermag ich an einem Gott zu glauben, der eine solche Religion zu seiner Verehrung zu implantieren für richtig befunden hat. So einfach das, wie der Weihnachtsmann bei den Kindern, manchmal wäre. Doch wenn ER gewollt hätte, dass wir so etwas glauben, warum hat ER uns mit logischen Denkvermögen ausgestattet? Marilyn Manson zitiert in seiner beeindruckenden Autobiographie den große Bertrand Russel mit den Worten: ´Meines Wissens gibt es keinen einzigen Kirchengesang, in dem etwas wie menschliche Intelligenz gepriesen wird.´
´Selig sind die, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich´, predigt Gottes Sohn auf dem berühmten Berge (Mt 5.3). Sollte dieser Satz tatsächlich so eindeutig zu interpretieren sein, wie es die Spötter gerne tun?


bk:

Klar, in gewisser Weise ist die Kirche, sind die Gebete und das ganze Ritual natürlich Bestandteile eines Kuhhandels. Ich biete meine Frömmigkeit gegen ein erträgliches Schicksal für mich und meine Angehörigen. Das ist in der katholischen Kirche noch viel tiefer etabliert als in der lutherischen. Der Ablass, die Beichte... Der intellektuelle Protestant als solcher, den es ja zuhauf gibt, hat den Marktplatz dieses Kuhhandels verlassen.
Verblüffenderweise ist der Katholizismus aber rein pragmatisch weit funktionaler. Mir wird das bewusst, wenn ich nach Westfalen fahre und wieder zurück nach Bayern komme. Westfalen ist urprotestantisch. Du siehst schon dem Baustil der Häuser eine gewisse Verzichtsmentalität an. Dahinter vermutest du Menschen, die sich verzweifelt ihre natürlichen Triebe abtrainieren wollen - und dadurch natürlich eine Atmosphäre absurder Verklemmungen schaffen.
In Bayern dagegen - sosehr es mir in vieler Hinsicht missfällt, aber ich merke das bereits in meiner kleinen Gemeinde Cottenau - lebt der Pragmatismus. Man lässt jeden leben wie er möchte. Uns lässt man da auch schalten und walten wie wir wollen. Wir feiern unsere Gruftiparties im Keller, die Bauern schauen rein und feiern mit. Das Katholizismus -Modell mit der Möglichkeit der Beichte, der Erfindung des Ablasses mag zwar, von außen betrachtet unlogisch erscheinen, aber es kommt dem menschlichen Hedonismus nun mal sehr viel näher. Die Menschen genießen einfach mehr und intensiver. Es ist menschlicher. Der Mensch sündigt zwangsläufig, wenn er lebt. Der Katholik kann sich aber von dieser Schuld befreien und muss nicht ständig unter ihrer Last leben.


pm:

Das ist verblüffend, da hast Du recht. Schon wieder dieser Widerspruch zwischen dem, was sich in gewisser Weise pragmatisch bewährt hat, und dem, was der sogenannte ´gesunde Menschenverstand´ darüber denken muss.
Vergegenwärtige Dir gerade in bezug auf den so pragmatischen Katholizismus, die Tatsache, dass es diese Leute 2000 Jahre nach Christus noch immer nicht wirklich vollbracht haben, Frauen als vollwertige Geschöpfe anzusehen. Denk an den Unsinn mit den Sakramenten! An die Millionen Säuglinge, die kurz nach der Geburt starben und nun, weil ungetauft, den katholischen Dogmen zufolge in der Hölle schmoren müssen.
Denk an den Schwachsinn mit dem Abendmahl, das die Katholiken (im Unterschied zu ihren evangelischen Glaubensbrüdern) per Dekret nicht für ein Gleichnis halten dürfen. Die Ärmsten sind gezwungen zu glauben, dass sie bei der Eucharistie wirklich den Leib und das Blut ihres Heilands verzehren, der sich zuvor mittels "Transsubstantiation" partiell in kleine Oblaten und preiswerten Rotwein (für Alkoholiker gerne auch Kirschsaft) verwandelt hat. Und da die gelehrten Konzile seinerzeit noch nicht über eine Rückwärtstranssubstantiation nachgedacht hatten, müssen unsere braven Katholiken sogar annehmen, dass Leib und Blut des Heilands nun allsonntäglich in ihren sündigen Leibern den Weg aller Verdauung gehen und zwangsläufig in die dabei anfallenden Endprodukte transformiert werden...
Bruno, es ist sicher wichtig, was Du über Spiritualität sagst und wie man den christlichen Glauben zu interpretieren hat - mir ist es aber einfach ein wenig unheimlich, dass viele Leute im Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts so was glauben. Die Katholiken m ü s s e n das glauben, denn das sind vom Papst verkündete feststehende Glaubenssätze. Und der ist ex cathedra bekanntlich u n f e h l b a r. Auch das müssen Katholiken glauben - sonst gehen sie des Heils verlustig, das die "alleinseeligmachende" Kirche verspricht.
Von Deiner Spiritualität, lieber Bruno, vermag ich nur unscheinbare Rudimente in den Kellergewölben dieses Kolosses auf tönernen Füßen auszumachen.


bk:

Fazit ist wieder nur, dass das Christentum nur dann funktionieren kann, wenn es individualisiert wird. Jeder soll sich die Ausformung suchen, die seiner eignen Spiritualität am ehesten entspricht. Jeder muss die eigenen mentalen Tiefen und Untiefen, die sich da auftun, selbst erkunden.
Überleg mal, wie viele Kirchen es in den Vereinigten Staaten gibt, die alle die Bibel als ihr Buch lesen! Da sind widerwärtige Radikale dabei, aber auch lockere Gruppen - gerade wenn du in den Bereich der schwarzen Gotteserfahrung gehst. Da wird ein so lebensfrohes Christentum gelebt! Ich war mal in einer schwarzen Baptistenkirche. Es war herrlich. Die sangen, feierten, soffen...


pm:
...sie soffen? Ich dachte, das sei den Wiedertäufern verboten?!

bk:

Doch doch, es gab Alkohol, und niemand fühlte sich deswegen irgendjemandem gegenüber schuldig. Das ist es ja eben! Die Kirchen-Strömungen in Amerika konnten sich alle individualisieren. Jeder Pfarrer kann dort für sich und seine Gemeinde das Christentum seinem Sinne ausdeuten. Und daher funktioniert das auch! Amerika ist momentan das Land mit der größten Anhängerschar des Christentums - ich glaube 70% der Amerikaner sind gläubige Christen.
Auch die Grufties in den USA sind das zum großen Teil. Was mich am Anfang doch ein bissel verwirrt hat. Als ich die ersten Mal bei unseren Tourneen die Textzeile "Gottes Tot" übersetzte, waren schon einige Erklärungen nötig... Mir hat dieser offene Umgang mit dem Christentum gezeigt, dass man diese System durchaus offen betrachten sollte, es analysieren. Man muss nicht alles für sich übernehmen, man darf durch aus selektieren und vieles in sein eigenes Wertesystem implementieren.


pm:

Klingt gut. Doch der Knackpunkt ist für mich noch immer die Vokabel ´Glauben´. Glauben fängt an, wo Wissen aufhört. Man kann (und muss) also Glauben ohne zu Wissen - aber man kann nicht Glauben wider Wissen.
Der Franzose Baudrillard führte mal den verblüffend schlüssigen Nachweis, dass die Existenz jedes Gottes bereits durch die Tatsache widerlegt ist, dass an ihn geglaubt wird. Denn geglaubt wird nur an Dinge, die nicht gewusst werden. Um einen real vorhandenen Gott würde man wissen, da bedürfte es gar keines Glaubens. Wenn uns stattdessen Letzterer nahegelegt wird, ist das, so Baudrillard, ein sicheres Zeichen dafür, dass es Gott nicht gibt. An Gott zu glauben heißt also, seine Existenz zu leugnen - ein hübsches Paradoxon!
Ebenso wie jenes bekannte, das Epikur zugeschrieben wird, der etwa 300 Jahre vor dem langhaarigen Nazarener lebte: Wenn es einen einzigen Gott gäbe, so meinte der Philosoph sinngemäß, der allmächtig, allwissend und gut sei, so dürfe es keine Übel auf der Welt geben. Da es aber nachweisbar welche gibt, kann es entweder sein, dass Gott zwar gut ist und davon weiß, aber keine Macht hat, die Übel zu beseitigen. Oder er wäre dazu sehr wohl in der Lage, würde es auch tun - nur weiß er nichts von den Übeln. Dann kann er unmöglich allwissend sein. Oder schließlich: Er kennt sie und könnte sie auch beseitigen, aber er will nicht: Dann kann er nicht gut sein. Ein gleichzeitig allmächtiger, allwissender und guter Gott, so der Grieche hunderte Jahre vor der Zeitenwende, sei nicht denkbar. Und der Mann hatte keine Ahnung von Auschwitz!


bk:

Klar, da hast Du recht. Ich habe für meinen Teil da eine Lösung gefunden. Ich lebe in so einer Art europäischem Ying und Yang zwischen diesem Stückchen Spiritualität, das jeder für sich selbst zu ergründen versucht, und einem bis in die Abgründe der Hölle gehenden Nihilismus. Zwischen diesen Polen schwanke ich, es geht nicht anders. Ich muss ehrlich sagen, dass mein System voller Widersprüchlichkeiten steckt und mir ist klar, dass ich diesen Nihilismus, dieses Existentialistische nicht mit dem Spirituellen zusammenbringen kann. Aber ich begreife das für mich ein Stückweit als eine Reibung, die ich einfach brauche, um Kreativität entwickeln zu können.


pm:
Woran glaubst Du?

bk:

Das ist immer abhängig von dem Koordinatensystem, in dem ich mich gerade befinde. Da bin ich dann wieder rational. Ich glaube auf der einen Seite an die allgemeine Verbindlichkeit der Aussagen von Naturwissenschaften.
Ich glaube an die Mannigfaltigkeit unseres Seins in Raum und Zeit. Die Quantenphysik hat längst bewiesen, dass es uns in vielfältiger Weise immer wieder gibt. Diese Erkenntnis vermittelt eine Art Trost, wie ihn andere in den Religionen suchen. Die Quantenphysik mit den Erkenntnissen über die Strings hat die These von der unendlichen Vielfalt der Paralleluniversen längst aus dem Bereich der Science Fiction herausgeholt.
Uns gibt es in allen möglichen Zeitebenen und in allen möglichen Varianten unseres Tuns immer wieder. Wir können zu den Parallelwelten keinen Kontakt aufnehmen, das ändert aber nichts an deren Realität. Ich weiß, dass das existiert. Das ist mehr als Glaube: Ich weiß, dass ich in unendlicher Vielfalt existiere und, sollte ich irgendwann sterben, das in unendlicher Vielfalt weiter tue.
Der theoretische Physiker ist natürlich immer befangen in einem Spannungsfeld aus reiner Mathematik und einem oft nur erahnbaren anschaulichen Moment. Es ist einfach verrückt, was derzeit in der Naturwissenschaft abgeht. Sie können partiell die Gravitation aufheben, die ersten Quantencomputer sind in Arbeit. Sie können gewisse atomare Zustände duplizieren - das lässt das bekannte "Beamen" aus dem Raumschiff Enterprise in Reichweite rücken.


pm:
Ich bin verblüfft: Das klingt ja ganz nach vorurteilsfreier Technikgläubigkeit...

bk:

Technikgläubig bin ich nicht. Sehr wohl aber fasziniert. Mein Vater war Naturwissenschaftler, aber das ganze Gegenteil eines technikgläubigen Modernitätsfanatikers. Wir diskutierten im Familienkreis über Metamathematik, aber wir hatten weder Auto noch Fernseher. Faszination für Wissenschaft ist natürlich immer da. Alle Effekte der Quantenphysik sind natürlich schon deshalb faszinierend, weil sie unserem Alltagsverstand (scheinbar) zuwiderlaufen.
Physiker sind übrigens meistens ganz furchtbar spirituelle Menschen. Lies einfach mal Stephen Hawkins zweites Buch "Das Universum in der Nussschale". Sehr beeindruckend! Er eröffnet Welten zu ganz neuen Formen von Spiritualität, ein neuer Ansatz von universaler Religiosität. Da steckt Gott in seitenlangen Formeln von Differentialgleichungen. Vielleicht kann die Wissenschaftlichkeit irgendwann der Welt ein Stückchen von dem zurückgeben, was sie selbst der Welt genommen hat.
Eines Tages werden wir eine Weltformel in den Händen halten - und die wird auch sinnlich erfahrbar sein!


pm:

In Deiner Weltformel wird vielleicht drinstehen, was der Mensch ist und warum. Aber nicht, was er hoffen darf und was er tun soll. Auch bei Deinem Modell einer individualisierten Religion bin ich in einem Punkt skeptisch: Glaubst Du, dass die Masse der Menschen intellektuell und moralisch in der Lage ist, mittels eigener Geisteskraft in jedem Einzelnen ein System von Spiritualität zu entwickeln, das am Ende individuell auch die ethischen Handlungsnormative entstehen lässt, wie sie das friedliche Zusammenleben in einer Gesellschaft nun mal erfordert? Meinst Du, dass der Mensch, jeder einzelne, von Grund auf gut ist?


bk:

Das ist das Problem dabei, da hast Du recht. Ich lehne institutionalisierte ideologische Systeme ab, denen die Menschen wie Schafe blind folgen. Ob die geistig-moralische Verfassung der Menschen aber eine Individualisierung zulässt, möchte ich lieber nicht entscheiden....
Da bin ich vielleicht einfach zu sehr Sozialromantiker. Diesen Gedanken verdränge ich gern, es gibt einfach Illusionen, die ich mir nicht zerstören lassen will, weil sie mich in die Lage versetzen, den Ereignissen und Menschen jeweils die positiven Seiten abzugewinnen. Ich bin eben eine Waage. Ich brauche immer mein harmonisches Umfeld.


pm:
Stichwort Waage: Was hältst Du von Astrologie?

bk:

Früher habe ich darüber gelacht. Ich kannte nur die Horoskope aus den Zeitungen und die enthalten ja allen Grund dazu. Dann habe ich mal wieder bei den alten Griechen herumgelesen und festgestellt, wie sehr da Astronomie, Astrologie, Philosophie, Physik, Mathematik, Metamathematik eins waren. Die Astrologie ist in den letzten Jahrhunderten leider zu so einer Art Jahrmarktsorakel verkommen. Vom Ansatz her steckt aber unglaublich viel drin: Das Prinzip, die Natur zu beobachten und diese Beobachtungen auf das Kleine zu projizieren. Der Determinismus als grundlegendes Erkenntnissystem, das bis in die Neuzeit Gültigkeit hat: Begreife die Dinge im Großen, dann wirst du sie auch im Kleinen verstehen. Das ist alles wahnsinnig interessant - aber eben auch ziemlich kompliziert. Und da ist es mit ein paar oberflächlichen Stippvisiten nicht getan, auf diesem Gebiet gibt´s schon zu viel Scharlatanerie.
Nichtsdestotrotz habe ich zumindest mal angefangen, Typen zuzuordnen - um schon nach kurzer Zeit einigermaßen geschockt festzustellen, wie viele Parallelen wirklich existieren. Ich habe eine Zeitlang alle meine Bekannten nach ihren Geburtsdaten befragt, ich fürchte, viele von ihnen haben gedacht, sie kriegen was zum Geburtstag...


pm:

Für mich ist das schwer zusammen zu denken. Wenn da zu Beispiel ein vom 22.12. bis zum 20.01. Geborener von ´seinen´ Sternen, die sich eigens wegen der von ihnen bewirkten Eigenschaften wie Mut, Beharrlichkeit und schöpferische Intelligenz zu einem Steinbock (Capricornus) formierten, am Tage seiner Geburt einen konkreten Impuls hätte empfangen wollen, so wäre eine erhebliche Vorausschau und Koordinierungsaufgabe nötig gewesen: Die Steinbock-Sterne sind zwischen knapp 50 Lichtjahre (Delta) über reichlich 500 (Zeta) bis zu über 1000 Lichtjahre (der Alpha 1 - Doppelstern Gredi ) von der Erde entfernt. Jeweils so viele Jahre vor der Geburt hätten diese Sterne dann eine entsprechende Information aussenden müssen, damit diese sich dann auf der Erde zu eben jenem Einflussfeld hätten vereinigen können, das der speziellen Geburt dem vom Astrologen deutbaren Stempel aufzudrücken in der Lage gewesen wäre (wenn Einsteins These von der Lichtgeschwindigkeit als Grenze stimmt, in der Quantenphysik gibt´s da ja Zweifel...). Das ist eine Aufgabe, die Sterne sicher nicht leisten können.
Ich bin jedoch weit entfernt von jenem platten Aufklärungs-Rigorismus, der als Aberglauben verdammt, was momentan naturwissenschaftlich nicht zu erklären ist. Stattdessen nehme ich an, dass auf menschlichen Erfahrungen und Naturbeobachtungen über Jahrtausende beruhende Aussagen irgendwo einen rationalen Kern haben müssen. Wahrscheinlich unterliege ich also irgendeinem Denkfehler...


bk:

Tust Du. Der Ansatz ist weniger der, dass man an irgendeine Strahlung glaubt, die irgendwann zu einem Zeitpunkt X von eine Punkt Y losgeschickt worden wäre, um im Moment deiner Geburt irgendeine Wirkung zu verrichten, bzw. dich zu prägen. Es geht um das Prinzip, deterministische Parallelen zu ziehen, von Vorgängen im Großen auf solche im Kleinen zu schließen. Es geht einfach darum, uns als Teil einer höheren, einer kosmischen Ordnung zu begreifen. Das ist der ganzheitliche Ansatz, der dahinter steckt.


pm:

Es lohnt auf jeden Fall, sich damit zu beschäftigen, denke ich. Lass uns auf jeden Fall bei Gelegenheit weiterstreiten. Obwohl das mit mir vielleicht nicht so einfach ist - ich bin nämlich Widder....




Gestritten wurde im Mai 2002 in der Leipziger Moritzbastei.
Aufgeschrieben von Peter Matzke


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