"Erfahrungen mit Vorurteilen" von Romana Weltenschein



 
Vorurteile in schwarz

Vorurteile sind etwas mit dem fast jeder Mensch zu kämpfen hat. Besonders schwer wird es dann, wenn man nicht ganz in ein bestimmtes Bild passt, dass einem die Gesellschaft vorlebt.

So haben zum Beispiel Muslimische Frauen und Männer mit Vorurteilen zu leben, sobald sie bestimmte Traditionen leben die ihnen ihre Religion vorgibt.
Die Medien liefern uns ein Bild von Arbeitslosen, die nicht etwa einfach keinen Job finden, sondern die einfach nur nicht arbeiten wollen. Man müsste ja schließlich nicht arbeitslos sein bei dem gut ausgebauten Sozialsystem in Deutschland.
Oder von bösen türkischen Männern, die ein junges Mädchen zwingen, einen fremden Mann zu heiraten und für immer in dessen Wohnung eingesperrt zu sein, während er sie mit den verschiedenen Frauen betrügt.
Es gibt viele weitere Beispiele und jeder von uns ist sicherlich schon einmal einem Vorurteil unterlegen.

Vorurteile sind sicherlich nicht schlecht.
Was wäre nachmittägliche TV Unterhaltung ohne unzählige Vorurteile?

Es wäre schlicht und einfach nur langweilig. So leben wir in einer Welt, in der Meinungsbildung gleichbedeutend ist mit der Annahme von Vorurteilen.
Jeder Südländer ist ein Macho, jeder Arbeitslose einfach nur faul, jede Frau eine Schlampe und jeder der die selben Hosen wie P. Diddy trägt ist ein hoffnungsloser Kleinkrimineller, dessen Geisteszustand einem Drogenrausch gleich kommt. Und natürlich, allseits beliebt, jeder der schwarz trägt ist ein Satanist.

Somit ist es völlig unmöglich geworden mit einer gewöhnlichen schwarzen Jeans und einem einfachen schwarzen T-shirt auf die Straße zu gehen, ohne das einem irgend ein fernsehgeschädigtes Kind "Hail Satanas Abraxas!" nach ruft.
Und das, ohne zu wissen was dieser Ausruf bedeutet oder was es für ein Mensch ist, der da schwarz bekleidet durch die Straßen zieht. Es könnte sich natürlich um einen unglücklichen Jugendlichen auf dem Weg zur Beerdigung seiner Oma handeln, der überhaupt nie mit der schwarzen Szene in Kontakt getreten ist. Aber nein, das glauben wir nicht.
"Ich habe einen Satanisten im Fernsehen gesehen und ich weis genau wie die aussehen." Gerne würde ich einmal erleben das der biedere alte Herr, der neben mir an der Ampel steht, auf den Ruf mit einem "HAIL!!!" antwortet. *g*


Aber nein, das ist noch nie passiert. Scheinbar scheint es wirklich keine Satanisten zu geben die nicht schwarz bekleidet sind. Oder aber, sie verstecken sich. Und der Leidtragende bin dann ich.
Natürlich gibt es für jeden Grufti irgendwann den Zeitpunkt an dem man sich mit Satanismus beschäftigt. Weil es vielleicht durchaus zu schwarzen Szene gehört. Aber ganz ehrlich gesagt, ich kenne so viele Schwarze, aber nicht einen Satanisten. Woran liegt das, ist vielleicht doch nicht jeder Schwarze ein Satanist? Nun ja. Ich, welche mich in dieser Szene bewege weiß natürlich, dass es Satanisten unter uns gibt, aber vielleicht nicht mehr als unter dem Rest der Menschheit.
Wenn man bescheid weiß, regen einem Vorurteile beinahe auf. Wo dieses noch das bekannteste Beispiel ist.


Ich persönlich hatte vor kurzem noch ein Freundin, wie ich dachte.
Das Mädchen ist 14 und lebt im selben kleinen Dörfchen wie ich. Naja, alles in allem, eine relativ schöne Zeit, ich habe sämtliche Fragen, die man über die schwarze Szene nur stellen kann beantwortet, meine Ansichten erklärt und ihr wirklich jeden Wunsch erfüllt, den zu erfüllen es mir nur möglich war zu erfüllen.

Und ganz ehrlich, obwohl ich vier Jahre älter bin als sie, hat das alles doch ziemlich gut funktioniert und es war eine schöne Zeit. Mit einem Schmunzeln nahm ich hin wie sie mich in der "Öffentlichkeit" (ich war natürlich nicht dabei) verteidigte, ihre Fingernägel schwarz lackierte, mir die ein oder andere schwarze Bluse abspenstig machte und im Schutze meines Wohnzimmers eines meiner Samtkleider trug das ihr um Nummern zu groß war. Warum nicht.
Für uns beide war die Welt in Ordnung. Sie ist überzeugte Christin und ich gar nichts von alle dem.

Gemeinsam lachten wir über die neusten Gerüchte der Dorfgemeinschaft, die hauptsächlich mich trafen. Meine Vampire-Live-Runde wurde als satanistische Sex-Orgie dargestellt, ich und mein Bekanntenkreis schien die unsagbarsten Drogen zu konsumieren und als die Hühner meines Nachbarn eines Tages alle totgebissen waren, hatte man doch durchaus ein schlechtes Gefühl in meiner Nähe.

Hatte man sich im Sommer vor der Vampire-Runde lieber in der untergehenden Sonne vor dem Haus versammelt, fuhren Autos langsamer, nur um dann doch lieber schnell die Flucht zu ergreifen und wir mussten mehrere unliebsame Störungen bei solchen Runden erleiden, welche zur Folge hatten, das man lieber gleich einen Umweg um mein Haus machte an besagten Abenden.
Sollte dieses aus irgendwelchen Gründen den Menschen nicht möglich gewesen sein, beschränkte man sich eben auf einen kurzen Sprint die ganze Hauptstraße entlang nur um von keinem dieser bewaffneten Mördersatanisten geschnappt zu werden.
Denn, aus der Bildzeitung wusste man ja, wie gefährlich Rollenspiel war. Hatte nicht mal auf Grund eines Rollenspiels in Bayern ein Junge Namens Florian versucht seine Lehrerin zu erschießen??? Naja, wir wollen den Bildzeitungslesern mal nicht zuviel abverlangen.

Nun denn, vielleicht sollte ich mir doch lieber Persönlichkeiten zur Freundin suchen, welche vielleicht etwas weiter weg wohnen, dafür aber doch etwas gefestigter sind. Ich habe zu besagtem Mädchen seit ungefähr zwei Wochen keinen Kontakt mehr. Es fand sich nämlich ein Bauernjunge, welcher dem Christentum anhängt. Dieser mag keine Gothics, also will man so schnell wie möglich aus der SCHWARZEN SZENE raus.

Was dies mit unserer Freundschaft letztendlich zu tun hat, kann ich zwar nicht verstehen, aber ich werde es hin nehmen, da ich ja nicht will das irgendwann der Dorfpfarrer vor meiner Tür steht und mich zur Beichte holt.
Nun ja, ich finde es schon verletzend, das mal wieder so getan wird als wäre die SCHWARZE SZENE ein einziger Hexenzirkel, dem zu entkommen nur durch gesellschaftliche Rehabilitation möglich ist.
Besonders traurig finde ich, das es wieder einmal mehr zeigt, das selbst Menschen, welche vorurteilsfrei erscheinen, doch sehr viele zu haben scheinen. Da sollte es einem doch lieber sein, wenn die Menschen offen mit ihren Vorurteilen umgehen.
Es tut vielleicht nicht so sehr weh wie wenn einem jemand den man für einen Freund hielt eines der härtesten Vorurteile gegen den Kopf wirft.


Um zu einer schöneren Geschichte zu kommen:
Meine liebe Freundin und Klassenkameradin in der Berufsschule Svenja. Svenja und ich verstanden uns durchaus gut und hatten uns auch gerne. Worauf hin ich, als es um die Zimmereinteilung während der überbetrieblichen Ausbildung in Stuttgart ging, den Vorschlag machte, das wir beide uns ein Zimmer teilten. Ich war doch erstaunt und auch sehr erfreut das Svenja sofort zustimmte. Ich schien endlich einen Menschen gefunden zu haben der sich wirklich und ernsthaft für mich interessierte.

So glaubte ich das in der Naivität eines 16-jährigem Mädchen.
Gut, die Sache war abgemacht und die ÜBA schön aber auch schon wieder nach einer Woche vorbei. Am Ende dieser Woche gab mir Svenja eine Art Manöver Bilanz. "Anfangs war´ s schon komisch sich vorzustellen mit dir eine Nacht in einem Raum zu verbringen, aber du bist ja gar nicht böse." Wir mussten beide lachen und nahmen uns einfach mal in den Arm. Svenja gestand mir, das sie doch ein wenig Angst hatte ich könnte schwarzmagische Rituale abziehen.
Nun, Svenja und ich sind immer noch befreundet und treffen uns ab und zu. Sie ist ein wirklich besonderer Mensch und dennoch hatte sie zunächst Vorurteile. Ich frage mich manchmal, ob diese Bindung zustande gekommen wäre, wenn Svenja diese Vorurteile nicht gehabt hätte? Ich wusste ja zuvor nichts von diesen Gedanken, aber als sie mir diese im Nachhinein gestand, regte sich doch ein zufriedenes Gefühl in mir. Sie hat nämlich trotz ihrer Vorurteile eine Woche mit mir in Stuttgart verbracht.


Vorurteile sind schlecht. Aber ist das vielleicht auch ein Vorurteil?
Haben wir vielleicht Vorurteile dem Vorurteil gegenüber?

Eine weitere Geschichte aus der Berufsschule.
Anfangs des zweiten Lehrjahr war ich gezwungen die Schule zu wechseln, weil hier vor Ort nur das erste Lehrjahr für eine angehende Bäckergesellin vermittelt wurde.
Um meine Lehre zu beenden, wartete also eine neue Schule auf mich, mit fremden Leuten, die sicher nicht den höflichen Abstand einhalten würden wie die Menschen in meiner Heimat Umgebung.
Die kannten ja schließlich die Gerüchte noch nicht, wodurch sie vielleicht keine Angst vor mir haben würden, was sie vielleicht veranlassen könnte mich deshalb verletzen zu wollen.

Habe ich nun Vorurteile?
Nun ja, ist ein Vorurteil das sich bestätigt denn auch ein Vorurteil?
Die ersten Wochen (ein Schultag pro Woche) wurde ich nur sorgfältig gemustert.
Ja, ich schien durchaus interessant zu sein. Es sprach sich, durch meine Klassenkameraden, schnell herum das ich doch sehr seltsame Musik höre und immer komische Dinge in ein kleines Notizbuch schrieb (ich nutzte die Schulzeit eben, um mein Tagebuch zu führen, wann hat man sonst schon einmal Zeit dafür).
Jedenfalls hatte ich mich in der Mittagspause auf den einzigen sonnigen Platz gesetzt, es war ja noch nicht Hochsommer und doch irgendwie kühl im Schatten. Als mich ein paar Mädchen aus einer der anderen Klassen ansprachen. Das typische Bild, 5 Mädels, total überstylt, zwar die neuesten (ja, die waren hip) Klamotten aber keine Ahnung das diese auch zusammenpassen sollten. Man kann nun mal nicht alles auf einmal tragen, was ein Vorurteil gegen die Textil Industrie zu sein scheint.

Nun ja, nach dem ich ein "Ey komm mal her." ignoriert hatte und mich weiter mit den Sonnenstrahlen auf meiner weisen Haut beschäftigte, bequemten sich die Damen doch lieber zu mir zu kommen, ich schien noch nicht "gut abgerichtet" zu sein.
Ihr kennt sicher alle den Ton, solche Menschen können ihn einfach nicht gut genug verbergen, der in der Stimme mitschwingt wenn man sich einfach nur über jemanden lustig machen will.
Nun, in besagter Tonart wurde ich nun vom stärksten Rudelmitglied (also, dem mit der lautesten Stimme) gefragt, ob ich denn eine Hexe wäre. Diese Frage beantwortet ich mit einem "Ja", um mich einmal eines der gängigen Vorurteile zu bedienen.

Allerdings schienen die Mädels zwar sehr wohl fähig zu sein einen ironischen Tonfall zu nutzen, aber wohl nicht diesen zu erkennen. Nach ein paar dummen Fragen erlangte unser Gespräch auf einmal eine ganz andere Ebene. Ich wurde die unmöglichsten Sachen über Magie und Mystic gefragt, die Mädels machten sich Sorgen ob sie vielleicht verflucht sein könnten und ob ich ihnen helfen könne. Natürlich konnte ich ihnen helfen. Ich breitete einen Mix aus verschienen Mythen und Geschichten vor ihnen aus und gab noch meine eigenen Phantasie hinzu. Wodurch man mich bald ehrfürchtig anblickte.

Der Plan mich einfach mal "zu verarschen" schien vergessen. Nun hielt man wieder den höflichen Abstand, den ich zu schätzen gelernt hatte.
Auch meine Klassenkameradinnen wurden nicht mehr belangt, sobald ich mich zu der geselligen Runde begab. Was doch zeigt das Vorurteile durchaus einen gewissen Schutz bieten. Gerade in der schwarzen Szene, in der sich ohnehin viele Leute aufhalten die einfach nur mit niemandem in Konflikt geraten wollen.
Vorurteile gegen schwarz, schützen einen durchaus auch vor Attacken. Umsonst trägt man es ja nicht. Hat doch alles durchaus einen Sinn. Man muss zwar damit leben können, das einen jemand nicht leiden kann, nur auf Grund dessen weil man schwarz trägt. Aber ich persönlich denke immer, das man von Leuten die einen nicht akzeptieren wollen auch nicht akzeptiert wird, wenn man die aller selbe Kleidung trägt wie diese. Dann ist das Problem nicht die Kleidung sondern ein anderes. Was dann unter Umständen richtig weh tun kann.

Vor allem, Vorurteile sind etwas das jeder Mensch hat.
Und auf die man nur zu leicht hereinfällt. Ich hab so oft Menschen afrikanischer Abstammung im Zug getroffen die mich belästigt haben und mich heiraten wollten... etc., dass ich mich von Afrikanern im Zug irgendwann einfach nur fernhielt. Ich war, durch schlechte Erfahrungen beinahe rassistisch.

Nun, einmal als ich mit meinem Kummer im Zug saß und beinahe weinte, setzte sich doch tatsächlich jemand neben mich um mich zu trösten. Auch dieser erzählte mir während der langen Zugfahrt das er aus Afrika kommt. Aber dieser Mensch war einfach nur nett. Was mein Vorurteil, gegenüber Afrikanern die mit dem Zug reisten, das sich über die Jahre aufgebaut hatte, wieder zerschlug. Man bildet sich so oft ohne es zu merken eine Meinung über eine bestimmte Menschengruppe. Und Toleranz, wie sie die schwarze Szene immer als Ideal hinstellt, fängt schon ganz klein an.

Eine weitere passende Geschichte ereignete sich in einer Disco in Stuttgart. Meine Freundin Steffi und ich hatten gerade einen netten jungen Mann angesprochen und so saßen wir zu dritt an einem der wenigen Tische um zu plaudern.
Wo irgendwann auch das Thema Gruftis und Rechtsradikalismus auf den Tisch kam.
Ich schloß mich natürlich der Meinung an, das sich eine Neonazi-Einstellung mit der eines Gruftis beisst und man desshalb bestimmt nicht beides auf einmal sein kann. Es gibt, so denke ich, kaum etwas das weniger zusammenpasst.
Von beiden böse angeguckt und niedergemacht wurde ich aber ab dem Moment, als ich kundtat, dass ich durchaus Neonazis zu meinen Freunden zähle. Natürlich alles Leute, welche ich seit einer Ewigkeit kenne. Wenn man auf dem Land groß wird, dann ist das nun einmal so. Man kennt sich und mir persönlich war es immer schon egal, wie ein Mensch aussieht, solange dieser nett war.
An dieser Stelle sei erklärt, dass sie alle nicht in das Klischee eines Rechtsextremen fallen. Sie sind auch keine. Sie tragen weder weißgeschnürte Springerstiefel, noch Flecktarnhosen, noch haben sie immer eine Flasche Bier in der Hand und in der anderen eine Zigarette. Auch verbringen sie ihre Zeit nicht damit Jüdische Friedhöfe zu schänden, Hakenkreuze an geeignete Gegenstände zu sprühen oder einen armen, wehrlosen Ausländer, der ihnen gar nichts getan hat, halb tot zu schlagen.
Als einziges deuten Tättowierungen und Bandshirts auf ihre Einstellung hin. Tättowiert sind Schwarze auch und Bandshirts gibt es auch genug. Also, was soll das. Es sind nette Menschen. Ich teile nicht ihre Einstellung, ich find sie nicht mal gut. Aber ich führe doch nicht jedes mal eine politische Grundsatz-Diskussion, wenn ich sie treffe. Wir sind eben Freunde. Mit meinem Freund Thorsten, der wohl das beste Beispiel für eine Freundschaft zwischen Gruft u. Neonazi ist, treffe ich mich gelegentlich zum gemeinsamen DVD gucken bei ihm zu Hause. Als ich das letzte mal dort war, hatte ich eigentlich um viertel nach 12 uhr Nacht aufbrechen wollen, um noch nach Hause zu kommen. Allerdings konnten wir uns noch 3 ˝ Stunden über Gott und die Welt unterhalten. Unter anderem auch über das Thema Vorurteile.

Thorsten war nämlich im Oktober angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung. Bei einem Volksfestbesuch war dieser feige angegriffen worden, eben aufgrund seines Aussehens. Da, der ist tättowiert, das ist ein Nazi, der hasst uns, also hauen wir dem, wenn er geht, von hinten einen Bierkrug über den Kopf. Worauf hin sich mein Freund Thorsten einfach nur wehrte.
Ich frage mich dann, ob denn eine der Parteien besser ist?
Hätte nicht besagter Bierkrugschläger nicht selbigen über den Kopf eines anderen Menschen geschlagen, wenn an diesem Abend keiner von diesen Rechtsextremen auf diesem Fest gewesen wäre? Ich vertrete die Ansicht, das es für einen Betrunkenen der schlagen will egal ist, wenn er schlägt. Was ein Vorurteil sein mag, oder auch nicht. Jedenfalls endete die Geschichte an diesem Abend im Krankenhaus und ein paar Tage später mit einer Zeugenvernehmung bei der Polizei. Als einer der Crailsheimer Polizisten Thorsten hinaus begleitete, warnte er diesen immer wieder davor nicht draußen auf die "Gegenpartei" zu warten, oder diese irgendwo zufällig zu treffen. Solche Sätze vielen auf jeden Satz welchen auch immer Thorsten darauf antwortete. Er wurde später vor Gericht frei gesprochen. Es war nämlich Notwehr, was Gott sei dank erwiesen werden konnte.
Wenn mann Nachrichten guckt oder Zeitung liest, sind aber immer die Neonazis schuld. Alles andere, wird doch nie berichtet, diese Tatsache allein lässt sich auf Vorurteilen begründen, es will doch keiner was von armen halbtoten Neonazis hören. Man will einen Bericht von einer Massenschlägerei und die Neonazis haben angefangen, anders herum ist es unvorstellbar.

Es gibt nun mal immer zwei Seiten und so wie nicht jeder Grufti auch ein Satanist ist, so ist auch nicht jeder Neonazi einfach nur ein Schläger. Es gibt sogar Leute, die sich allein nur auf NPD-Mitarbeit beschränken oder eben gar nichts tun. Thorstens Einstellung unterscheidet sich höchstens in 10% von der, welche die meisten Deutschen Spießbürger vertreten. Es schlägt sich eben auch in seinen Kleidern nieder. Aber, wenn man mal abends seinen eigenen Eltern zuhört, was diese wohl so von sich geben, obwohl jene gutbürgerliche Mitglieder dieser Gesellschaft sind, überlegt man sich oft, ob diesen nicht auch Springerstiefel gut stehen würden. Es ist nun mal so, das man sich in Deutschland nicht an Ausländern stören darf. Allerdings hat jeder schon einmal seine schlechten Erfahrungen mit ihnen gemacht, und die meisten stören sich an ihnen. Allerdings bespricht man solche Sachen zu Hause bei geschlossenen Türen und im Flüsterton. Man will ja keiner dieser Nazis sein. Weil Nazis sind böse und brennen Häuser nieder. Man wird so zu einem Nazi, ohne zu wissen das man einer ist. Die Kinder welche beim Abendessen solche Gespräche verfolgen, nehmen einen Teil dieser Einstellung an. Man glaubt ja, was die Eltern sagen. Oder nicht?

An dieser Stelle sei gesagt, das auch dies nicht auf jede Familie zutrifft. Ich mußte zum Beispiel, in der dritten Klasse mir erst einmal erklären lassen was ein Ausländer war. Es handelte sich um ein Fremdwort für mich. Ein Klassenkamerad erzählte mit, das Ausländer asozial sind und nicht arbeiten und faul sind und stinken. (Dieser Junge stammt aus einer sehr christlichen Familie, will gesagt sein.) Naja, natürlich gab es ausländische Kinder in unserer Klasse, jedenfalls Kinder welche dieser Junge als solche bezeichnete. Gerade mit zwei dieser Mädchen war ich mehr oder weniger befreundet. Weder hatte ich den Eindruck gehabt sie stinken, noch dass sie faul sind. Auch schien es mir, dass ihre Eltern genau soviel zu arbeiten haben wie die meinen. Der Vater von Sarina war sogar Arzt, der Junge mußte sich getäuscht haben, wenn er meinte sie sind Ausländer. Ich war mir sicher.
Erschreckt euch auch, dass man im dritten Schuljahr 9 oder 10 Jahre alt ist? Ich war jedenfalls nicht in der Lage mir über Ausländer eine eigene Meinung zu bilden. Vielleicht, weil ich das Wort nicht kannte, aber vielleicht auch, weil man einfach noch zu jung ist.
Woher kam dann die Meinung die besagter Junge vertrat?
Vorurteile sind meistens beitseitig. So traf es sogar mich im Laufe meiner Schulzeit öfter, dass ich meinte, ich könne einen bestimmten Menschen nicht ausstehen, worauf hin dieser mich später als "Scheiß-Deutsche" und "Nazi" bezeichnete. "Nazi" ist auf jeden Fall ein Wort, dass in Deutschland noch immer zuviel in Gebrauch ist und wie ich finde, außerhalb des Geschichtsunterrichts nichts verloren hat.

An dieser Stelle sei auch gesagt, dass es überall gute wie auch schlechte Menschen gibt. Das gilt für die gutbürgerlichen Deutschen, die "Nazis", alle Ausländer und Spätaussiedler, die allseits geliebten Metaller, die Hip-Hop-Freunde und natürlich die Gruftis.
Bevor wir uns von Vorurteilen verblenden lassen, sollten wir lieber noch einmal darüber nachdenken ob diese wohl auf alle der besagten Gruppe zutreffen. Oder ob wir einfach mit manchem Vertreter dieser Menschengruppe nicht zurecht kommen.
Vielleicht sollten wir auch einfach aufhören, alles in Gruppen zu unterteilen und die Menschen als das sehen, was sie sind. Einfach nur Menschen wie Du, ich und der Rest der Welt.


Wir alle haben Vorurteile.
Sonst gäbe es Worte wie "Poser", "Junggrufti", und "Trendys" einfach schon einmal gar nicht. Denn man hätte ja kein Vorurteil gegen den Menschen mit 15 der Blackmetal hört oder gegen das überstylte Gruftimädchen.
Vorurteile treffen uns doch auch in der Szene selber, in der jeder behauptet vorurteilsfrei zu sein und überaus tolerant.
Eine Subkultur ist eben nur eine Gesellschaft in einer Gesellschaft. Sie ist nichts anderes. Es gibt nicht weniger Vorurteile sondern andere. Und ich persönlich denke, dass wir zuerst daran arbeiten sollten unsere eigenen Vorurteile los zu werden bevor wir Seitenlange Texte verfassen in denen wir erzählen wie schlecht es uns denn in dieser vorurteilsbelasteten Gesellschaft geht.


Für mehr Toleranz in der schwarzen Szene,
Licht und Liebe
Romana von Weltenschein