Vereins-Interview 2005


Interview mit der Sächsischen Krebsgesellschaft e.V.


Für das Jahr 2005 entschied sich der Gothic -Aid e.V. über das breitgefächerte Gebiet von Krebskrankheiten aufzuklären und dabei die Sächsische Krebsgesellschaft e.V. finanziell zu unterstützen. Um die vielseitige Arbeitsweise der Sächsischen Krebsgesellschaft e.V. näher zu beleuchten und um sich gleichzeitig gegenseitig besser kennen zu lernen, planten wir ein Interview.
Frau U. Schaberich (SK), die Geschäftsführerin der Krebsgesellschaft, und ich, Franziska Trinks (GA) vom Gothic- Aid Team führten im Oktober folgendes Interview per Mail:


GA: Die Sächsische Krebsgesellschaft e.V. wurde 1990 gegründet und hat seit über 10 Jahren Ihren Sitz in Zwickau. Können Sie uns einige besonders in Erinnerung gebliebenen Höhen/ positive Erlebnisse und ggf. auch Tiefen Ihrer langjährigen Arbeit nennen?

SK: Die Sächsische Krebsgesellschaft hat Ihren Sitz seit ihrer Gründung 1990, also 15 Jahre, in Zwickau. Bei solch einem sensiblen Thema gibt es sicher immer Höhen und Tiefen. Vielen Betroffenen konnten wir Hilfe und Unterstützung zur Verbesserung ihrer Lebensqualität geben, dass sie sich verstanden fühlen und Hilfe bei der Bewältigung der Alltagsaufgaben direkt oder indirekt erhalten.

GA: Ihr Aufgabengebiet und Ihre Ziele sind enorm vielfältig ( z. Bsp. die Bevölkerung über Krebskrankheiten aufzuklären, ein Netzwerk örtlicher Selbsthilfegruppen aufzubauen etc.). Nach welchen Kriterien entscheidet es sich, welchen Aufgaben in einem bestimmten Zeitraum besondere Aufmerksamkeit zukommt?

SK: Das Aufgabenspektrum ist lt. Satzung festgeschrieben. Patienten aller Tumorer-krankungen werden gleichermaßen beraten. Schwerpunkterkrankungen, die auf Grund zentraler Vorhaben im Mittelpunkt stehen, werden unterstützt. Die Sächsische Krebs-gesellschaft beteiligt sich an Projekten, wie z.B. „Prävention Mammakarzinom“, Hautkrebs-vorsorge „Haut-Check“ der AOK, Europäische Woche gegen Krebs, Nichtraucheraktivitäten etc.

GA: Welche Ihrer Zielstellungen werden besonders seitens diverser Organisationen, Körperschaften oder der Bevölkerung unterstützt?

SK: Es werden alle Zielstellungen unterstützt, die der Prävention von Krebserkrankungen dienen und wo neue wissenschaftliche Erkenntnisse verbreitet werden, z.B. Kongresse, Patiententage, Foren, Mitteilungsblatt der Sächsischen Krebsgesellschaft u.a..

GA: Laut Ihrer Homepage stieg die Inanspruchnahme Ihres Services der psychosozialen Krebsberatungsstelle und des Krebsberatungstelefons in den letzten Jahren kontinuierlich an. Was sind die häufigst gestellten Fragen und auftretenden Probleme der Sie Kontaktierenden?

SK: Die häufigsten Anfragen betreffen die Erkrankung selbst, d.h. welche Therapiemöglich-keiten gibt es, welche Rechte hat der Krebspatient, was kann er selbst tun, um seine Lebens-qualität zu verbessern.
Psychosoziale Fragen stehen im Mittelpunkt und Fragen zur Krankheitsbewältigung.

GA: Wie gehen Ihre Mitarbeiter damit um, täglich mit dem sensiblen Thema Krebs konfrontiert zu werden und davon Betroffenen erste Hilfestellungen zugeben?

SK: Für die Mitarbeiter bleibt es trotz täglichem Umgang ein sensibles Thema, mit dem sie sich immer auf´s Neue auf Betroffene einstellen müssen und ihre Anliegen verstehen und akzeptieren.
Es ist für die Mitarbeiter eine große Herausforderung, immer wieder neue Motivation zu finden und unvoreingenommen, einfühlsam und fachkompetent für Betroffene zu arbeiten.

GA: Nutzen auch Menschen, die nicht selbst oder innerhalb ihres Familienkreises von einer Krebserkrankung betroffen sind ( z. Bsp. Interessierte) Ihre Angebote?

SK: Anfragen von Nichtbetroffenen sind natürlich seltener. Wir können aber feststellen, dass das Interesse an Prävention, vor allem bei jungen Menschen, größer wird. Dazu tragen auch öffentlichkeitswirksame Pressemitteilungen, Funk und Fernsehen bei.

GA: Wie schätzen Sie das momentane Wissen der Bevölkerung in Sachen Krebs ein? Gibt es besonders auffallende Voreingenommenheiten, welche es Ihrer Meinung nach zu widerlegen gilt?

SK: Das Wissen in der Bevölkerung ist groß. Besonderes Interesse haben Menschen an Therapiemöglichkeiten, die neben der Schulmedizin existieren. Dabei gilt es, den Menschen zu erklären, dass wir auf die Schulmedizin nicht verzichten können, diese aber gleichermaßen durch komplementäre Therapien unterstützt werden kann. Dabei werden von uns aber keine konkreten Therapien empfohlen. Das ist alleinige Aufgabe des Arztes.

GA: Wie sehen Sie die Entwicklung der Krebsbekämpfung und neuer Heilungs-möglichkeiten in den jüngsten Jahren? Welche herausragende Fortschritte gibt es auf diesem Gebiet?

SK: Durch gezielte Inanspruchnahme der Vorsorgeprogramme lassen sich Krebser-krankungen früher erkennen, damit ist eine frühzeitige Therapie möglich und das führt zu einer günstigeren Prognose.
Fortschritte bei der Krebsbekämpfung gibt es in vielen Bereichen. Die heutige Tumortherapie orientiert sich an Leitlinien, deren Wirksamkeit in Studien erfolgreich erprobt wurde und die Therapie wird dann individuell an die Erkrankung des Patienten angepasst. Auch die Operationsmethoden haben sich in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert und neue Medikamente mit reduzierten Nebenwirkungen kommen auf den Markt.

GA: Die Sächsische Krebsgesellschaft e.V. vereint ca. 70 Selbsthilfegruppen, welche sich v.a. an Betroffene, Angehörige richten.
Organisieren sich die Selbsthilfegruppen weitestgehend selbst? Welche Aufgabe übernimmt dabei die Sächsische Krebsgesellschaft?

SK: Die Selbsthilfegruppe versteht sich als -aus eigener Initiative (meist ohne professionelle Unterstützung) entstandener- Zusammenschluss Betroffener mit gleichen oder unterschied-lichen Krebserkrankungen.
Die Sächsische Krebsgesellschaft gibt dabei professionelle Unterstützung, ohne in das Eigenleben der Gruppe einzugreifen. Die Selbsthilfegruppen arbeiten eigenverantwortlich im Interesse Ihrer Mitglieder und werden durch die Sächsische Krebsgesellschaft finanziell gefördert.

GA: Als gemeinnütziger Verein nehmen Sie finanzielle Spenden entgegen. Wofür verwenden Sie das Geld in Ihrem Verein und in den Selbsthilfegruppen und nach welchen Kriterien wird diese Verteilung gewichtet?

SK: Die Spenden und Zuschüsse verwenden wir zum Teil zur finanziellen Unterstützung der Arbeit der Selbsthilfegruppen, zum Anderen aber für die psychosoziale Beratung und Betreuung sowie Wissensvermittlung in Lehrgängen, z.B. Veranstaltungen wie Supervision, Sport nach Krebs, Aktionstage und Ergotherapie. Sie werden ausschließlich für die Arbeit mit unseren Tumorpatienten verwendet.

GA: Sicherlich haben Sie auch Fragen an unseren Verein Gothic-Aid, die über die Angaben unserer Homepage hinausgehen. Was interessiert Sie besonders an unserer Arbeit?

SK: Was war Ihre Motivation, Spenden zu sammeln und diese an besonders förderungswürdige Vereine weiterzuleiten? Wie sind Sie dabei auf die Sächsische Krebsgesellschaft aufmerksam geworden?

GA: Die Idee Bedürftigen v.a. durch das Sammeln finanzieller Mittel innerhalb der Schwarzen Szene zu helfen, entstand vorwiegend dadurch dass der Vater eines ehemaligen Vorstandsmitglieds an Lungenkrebs starb. Der Gedanke andere Menschen zu unterstützen, die sich selbst nicht oder nur schwer aus eigener Kraft helfen können, der Glaube an Gerechtig-keit sowie an Veränderung und die Tatsache, dass in vielen Familien Not und Krankheit in den verschiedensten Formen vorkommt; führten dazu, dass sich 2003 junge motivierte Menschen zusammenfanden, um die Idee Wirklichkeit werden zu lassen.
Als erstes wollten wir einen Verein entgegenkommen, der sich mit dem Themengebiet Krebs beschäftigt. Auf die Sächsische Krebsgesellschaft e.V. stießen wir durch zahlreiche Recherche, die wir der Einfachheit wegen auf das Bundesland Sachsen beschränkten. Wichtig war uns, dass der zu unterstützende Verein unseren Anliegen offen gegenüber steht und keine Scheu zeigt, sich ggf. mit der Schwarzen Szene auseinander zu setzen. Nach Kontaktauf-nahme mit der Sächsischen Krebsgesellschaft konnten wir uns von Ihrer Professionalität und Kontaktfreudigkeit überzeugen und beschlossen die Zusammenarbeit zu intensivieren.


Wir danken der Sächsischen Krebsgesellschaft e.V. für dieses Interview
und wünschen allzeit frohes Schaffen und Vorankommen!


Bei Fragen oder Anregungen bitte bei mir melden: Franziska Trinks